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Titel: „Ohne Herrschaft - An-archie“ - Gustav Landauers kommunitärer Anarchismus
Beginn: 26.11.2020 19:00
Karte: Bei Google Maps anzeigen
Beschreibung: Die Veranstaltung wird auch online verfügbar sein per Youtube-Livestream. Weitere Informationen dazu folgen in Kürze.

Sie ist Teil der Reihe "Mensch – Geschichte – Revolution. Zur Aktualität des kommunitären Anarchismus Gustav Landauers". Alle Informationen dazu finden sich auf harp.tf.

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Erinnert werden soll – anlässlich von dessen 150. Geburtstag – an den Anarchisten und Initiator zahlreicher libertärer Projekte Gustav Landauer (1870-1919), dessen Leben maßgeblich von den Werten der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit bestimmt war.
Als Literaturkritiker, Übersetzer, Roman- und Novellenautor, Vortragsredner und Essayist, als libertärer Sozialist und jüdischer Kulturphilosoph, genoss Gustav Landauer hohes Ansehen. Er agierte als Anti-Politiker, Sprach- und Kulturkritiker sowie Initiator zahlreicher libertärer Projekte. Er legte als erster eine umfangreiche Übersetzung der mittelhochdeutschen Predigten des Mystikers Meister Eckhart vor (1903) und wirkte mit am Hauptwerk "Beiträge zu einer Kritik der Sprache" (1901/02) seines langjährigen Freundes, des Sprachphilosophen und Theaterkritikers Fritz Mauthner (1849-1923). Aus dieser Kooperation entstand die Schrift "Skepsis und Mystik" (1903), die zusammen mit der geschichtsphilosophischen Monographie "Die Revolution" (1907) und dem programmatischen "Aufruf zum Sozialismus" (1911) für das Verständnis von Landauers Denken und Handeln grundlegend ist.

Was ihn vor allem antrieb, betraf die Unzufriedenheit mit der autoritären wilhelminischen Gesellschaft und die Suche nach einer menschlichen Gemeinschaft freier und gleichberechtigter Menschen in einer dezentralen und föderal vernetzten Welt. Auf sämtlichen Betätigungsfeldern wird diese Sehnsucht nach einem selbstbestimmten, frei vereinbarten Miteinander deutlich: Sowohl in dem von ihm 1908 gegründeten Sozialistischen Bund als auch in seiner Rezeption der Dramen Shakespeares sowie der Französischen Revolution von 1789, in seinen zahlreichen Vorträgen zur Literaturgeschichte ebenso wie etwa in seiner Sprachkritik oder in seinem Engagement für eine Regeneration des Judentums, seinem Antimilitarismus und seiner Mitwirkung an den revolutionären Ereignissen 1918/19.

Seine ausformulierte Konzeption eines libertären und föderativen Sozialismus – Stichwort: kommunitärer Anarchismus –, zielt auf eine herrschaftsfreie Gesellschaft gleichberechtigter und selbstverantwortlicher Menschen in einer dezentral und föderal vernetzten Welt. Das exemplarische Beginnen hier und heute ist dabei für Landauer zentral, um zu einer wirklich freien und gleichberechtigten Gesellschaft zu gelangen: „Verhältnisse sind das Verhalten der Menschen; und die Bedingung der Anarchie ist für mich die Überzeugung, dass jeder Mensch die Möglichkeit in sich trägt, sein Verhalten zu ändern, solange er lebt.“

Während der Revolution von 1918/19 engagierte sich Gustav Landauer von München aus für eine freiheitliche Umgestaltung der Gesellschaft. Unablässig warb er für ein föderatives und dezentrales Rätesystem. Während der ersten bayerischen Räterepublik im April 1919 agierte er als „Volksbeauftragter für Volksaufklärung“. Anfang Mai 1919 wurde er im Zuge der Niederschlagung der Revolution brutal ermordet.

Der Referent Siegbert Wolf (Frankfurt a. M.), promovierter Historiker und Publizist, ist seit 2008 Herausgeber der Gustav Landauer-Werkausgabe im Verlag Edition AV (Bodenburg/Nds.) (bislang insgesamt 17 Bände erschienen).
Veranstaltungsort:
Adresse: Pöge-Haus
Hedwigstraße 20
04315 Leipzig
Veranstalter:
Adresse: Halkyonische Assoziation für radikale Philosophie
Telefon:  
E-Mail: landauer2020@riseup.net
Homepage: http://harp.tf
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