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Titel: Der Rechtsstaat als Verwirklichung der religiösen Hoffnung. Anleitung zu einem neuen Verständnis der europäischen Aufklärung
Beginn: 10.02.2020 19:30
Karte: Bei Google Maps anzeigen
Beschreibung: Im Rahmen der Reihe „Europa fällt? Europa bleibt!“

Während die gesamte antike Welt ihre Glaubenskraft aus der Vergöttlichung des Menschen schöpfte, gelang es den Christen, diese Idee umgekehrt als Menschwerdung Gottes zu formulieren. Während die von Homer dargestellten Heldenfiguren im Anschluss an ihre Großtaten noch völlig selbstverständlich als göttliche Gestalten verehrt worden sind, wird die Idee des christlichen Gottes auf ganz andere Art realisiert. In der leiblich-menschlichen Präsenz seines Sohnes Jesus Christus manifestiert sich dessen Menschsein effektvoll anhand von zwei Prinzipien: die Geburt als Marias Sohn und der Tod am Kreuz. Mit Luther wurde der Gedanke angestoßen, dass nur anhand der Idee des vermenschlichten Gottes ein vernünftiges Sprechen über diesen überhaupt möglich sei. Dieser Grundgedanke ist noch 1839 beim Gründervater der Soziologie Auguste Comte spürbar, für den es das zentrale Leitmotiv war, Theologie als Sozialwissenschaft umzusetzen.

Alle Aussagen, die wir über Gott treffen können, erreichen dementsprechend nur durch Beobachtung seines Ebenbildes, des Menschen, Aussagekraft. Er wird allein dann beschreibbar, wenn wir Gottesdienst als Menschendienst begreifen.

Dass jenes in Gen. 1 geschaffene menschliche Ebenbild aber keine bloße Abbildung Gottes verkörpert, sondern dessen Menschwerdung selbst bedeuten muss, ist eine Idee, die sich in der gesamten westlichen Welt als fundamentales Prinzip der Einheit von Glauben und Wissen durchsetzte. Diese wurde in ihrer Wirksamkeit erstmalig durch den Staatsrechtler Carl Schmitt beschrieben, der alle tragenden Begriffe des Rechtswesens auf deren theologische Ursprünge hin analysierte. Wer im finanzrechtlichen Sinne von Schuld spricht, hat damit unvermeidbar eine genealogische Brücke zur theologischen Erbschuld gebaut. Die Wirksamkeit solcher Begriffsanalogien zeigt sich jedoch nicht allein in abstrakten Gesellschaftssystemen wie der Sphäre der Rechtsprechung. Auch in den konkreten Tätigkeiten evidenzbasierter Künstler- und Wissenschaftler der Zeit äußerte sich, wie selbstverständlich die Sphären des Sakralen und des Säkularen ineinandergreifen.

Für den Religionssoziologen Jacob Taubes muss es eine durchaus delikate Angelegenheit gewesen sein, die Beobachtungen Schmitts im eigenen Arbeiten verwirklicht zu sehen. Ganz ähnlich stand es um den expressionistischen Schriftsteller Theodor Däubler, aber auch um Walter Benjamin; und in besonderer Ausprägung zeugt das dadaistische Werk von Hugo Ball von der Entdeckung Schmitts, dass alle Begrifflichkeiten, innerhalb derer wir die Welt wissenschaftlich verhandeln, durch christliche Glaubensinhalte gestiftet sind.
Veranstaltungsort:
Adresse: Galerie Verein Berliner Künstler
Schöneberger Ufer 57
10785 Berlin
Veranstalter:
Adresse: Denkerei
Bazon Brock
Telefon: 03061671001
E-Mail: bazonbrock@bazonbrock.de
Homepage: http://www.denkerei-berlin.de
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